| Antrag: | Die Aufgabe der Jugend(verbands)arbeit im Umgang mit rechten Krisendeutungen |
|---|---|
| Antragsteller*in: | aej, BDKJ, DBJ, SJD-Die Falken, Soli-Jugend (Nacht-AG) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 25.10.2025, 01:06 |
Ä4 zu A5: Die Aufgabe der Jugend(verbands)arbeit im Umgang mit rechten Krisendeutungen
Antragstext
Von Zeile 1 bis 1 einfügen:
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen zunehmend auch bei jungen Menschen Anklang finden. Die Trendstudie Jugend in Deutschland 2024 attestierte der AfD mit 22 % Zustimmung die beliebteste Partei bei den 14- bis 29-Jährigen, vor zwei Jahren lag sie noch bei 9 %. Und auch in der Europawahl lässt sich dieser Trend ablesen, denn Laut Infratest Dimap lag die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen nur einen Prozentpunkt hinter der Union, laut Forschungsgruppe Wahlen sogar gleichauf. Aber nicht nur in Ostdeutschland, auch bei den Landtagswahlen 2023 erreichte sie in Bayern 16 % und in Hessen 18 % der Stimmen unter den 18- bis 24-Jährigen. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung in unserer U18-Wahl. Neben den Gewinnen in ostdeutschen Bundesländern hat sich auch insgesamt das Ergebnis der AfD in nur fünf Jahren verdoppelt.
Eine Mehrheit der jungen Menschen wählt demokratisch. Dies haben wir als DBJR in den Ergebnissen der U18-Wahl auf Bundesebene auch betont. [1] Trotzdem wurde in vielen Regionen die AfD die stärkste Kraft in dieser Wahl.
Dieser Wahrheit müssen wir ins Auge sehen.
Schon jetzt sind an vielen Orten wachsende Strukturen rechtspopulistischer und rechtsextremer Jugendgruppen- und Cliquen zu beobachten, die versuchen, durch Freizeitangebote, Musik oder soziale Medien Anschluss an jugendliche Lebenswelten zu gewinnen und den schulischen Raum zu dominieren.
Das sind aber keine abstrakten Entwicklungen oder Gefahren, stattdessen manifestiert sich dies schon längst in Form von offener Gewalt gegen und konkreten Angriffen auf unsere Strukturen. Angriffe auf Jugendclubs der Falken in NRW und Brandenburg, Übergriffe auf kirchliche Jugendverbände wie zuletzt die KJG in Essen oder dem Brandanschlag auf das Projekt "soliRADisch" in Magdeburg vom Landesjugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt sind nur Beispiele und zeigen eine dramatische Gewaltbereitschaft.
Diese Angriffe richten sich unmittelbar gegen die Jugendverbände und Landesjugendringe sowie ihre Mitglieder, die das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft bilden.
Diese Entwicklung ist für eine offene Gesellschaft und insbesondere für die Jugendverbandsarbeit eine zentrale Herausforderung. Jugendverbände [2] und offene Kinder- und Jugendarbeit [3] stehen zunehmend vor der Aufgabe, mit Jugendlichen zu arbeiten, die für rechtspopulistische und rechtsextreme Ideologien empfänglich sind oder bereits Teil entsprechender Kreise sind. Eine reine Abschottung reicht nicht aus. Es braucht viel mehr eine aufgeklärte politische Perspektive, um politische Bildung gestalten und pädagogische Konzepte entwickeln zu können, die dieser Entwicklung angemessen begegnen. Dafür starten wir als DBJR und seine Mitgliedsverbände einen Prozess, der unsere Analysen verbinden und Praktiken qualifizieren soll.
Wir sehen die Wechselwirkungen von Wirtschaftskrisen, dem schwindenden Vertrauen in die Erzählung von “Aufstieg durch Leistung”, antidemokratischen Strömungen und sozialer Ungleichheit. Diese Faktoren formen die Lebenswelt junger Menschen. Diese komplexe Situation verlangt nach differenzierten Lösungsansätzen.
Daher prüfen wir, wie wir Schutzräume sichern und zugleich konfliktfähige Auseinandersetzung ermöglichen; wie wir mit Jugendlichen, die empfänglich für rechtspopulistische und rechtsextreme Ideologien sind, distanziert [4] arbeiten können - und dies ohne unsere Grundsätze zu relativieren; wie wir Raumungleichheiten politisch begleiten, bei Möglichkeit ausgleichen können und wie wir verhindern, dass „Brandmauer“-Rhetorik inhaltlich nach rechts kippt..
Jetzt müssen wir beginnen, uns tiefergehend damit auseinanderzusetzen
Deshalb fordern Wir:
Nach Zeile 57 einfügen:
[1] https://www.dbjr.de/artikel/u18-bundestagswahl-2025-endgueltiges-wahlergebnis
[2] SGB VIII §12
[3] SGB VIII §11
[4] Distanzierungsarbeit ist die beziehungs- und reflexionsorientierte Intervention zwischen Prävention und Ausstieg. Ziel ist, bei rechtsextrem einstiegsgefährdeten Jugendlichen Distanzierungsmotivation und gewaltablehnende Haltungen aufzubauen und Einstiege in verfestigte Szenen zu verhindern. Wir empfehlen https://www.distanz.info
Von Zeile 1 bis 1 einfügen:
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen zunehmend auch bei jungen Menschen Anklang finden. Die Trendstudie Jugend in Deutschland 2024 attestierte der AfD mit 22 % Zustimmung die beliebteste Partei bei den 14- bis 29-Jährigen, vor zwei Jahren lag sie noch bei 9 %. Und auch in der Europawahl lässt sich dieser Trend ablesen, denn Laut Infratest Dimap lag die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen nur einen Prozentpunkt hinter der Union, laut Forschungsgruppe Wahlen sogar gleichauf. Aber nicht nur in Ostdeutschland, auch bei den Landtagswahlen 2023 erreichte sie in Bayern 16 % und in Hessen 18 % der Stimmen unter den 18- bis 24-Jährigen. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung in unserer U18-Wahl. Neben den Gewinnen in ostdeutschen Bundesländern hat sich auch insgesamt das Ergebnis der AfD in nur fünf Jahren verdoppelt.
Eine Mehrheit der jungen Menschen wählt demokratisch. Dies haben wir als DBJR in den Ergebnissen der U18-Wahl auf Bundesebene auch betont. [1] Trotzdem wurde in vielen Regionen die AfD die stärkste Kraft in dieser Wahl.
Dieser Wahrheit müssen wir ins Auge sehen.
Schon jetzt sind an vielen Orten wachsende Strukturen rechtspopulistischer und rechtsextremer Jugendgruppen- und Cliquen zu beobachten, die versuchen, durch Freizeitangebote, Musik oder soziale Medien Anschluss an jugendliche Lebenswelten zu gewinnen und den schulischen Raum zu dominieren.
Das sind aber keine abstrakten Entwicklungen oder Gefahren, stattdessen manifestiert sich dies schon längst in Form von offener Gewalt gegen und konkreten Angriffen auf unsere Strukturen. Angriffe auf Jugendclubs der Falken in NRW und Brandenburg, Übergriffe auf kirchliche Jugendverbände wie zuletzt die KJG in Essen oder dem Brandanschlag auf das Projekt "soliRADisch" in Magdeburg vom Landesjugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt sind nur Beispiele und zeigen eine dramatische Gewaltbereitschaft.
Diese Angriffe richten sich unmittelbar gegen die Jugendverbände und Landesjugendringe sowie ihre Mitglieder, die das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft bilden.
Diese Entwicklung ist für eine offene Gesellschaft und insbesondere für die Jugendverbandsarbeit eine zentrale Herausforderung. Jugendverbände [2] und offene Kinder- und Jugendarbeit [3] stehen zunehmend vor der Aufgabe, mit Jugendlichen zu arbeiten, die für rechtspopulistische und rechtsextreme Ideologien empfänglich sind oder bereits Teil entsprechender Kreise sind. Eine reine Abschottung reicht nicht aus. Es braucht viel mehr eine aufgeklärte politische Perspektive, um politische Bildung gestalten und pädagogische Konzepte entwickeln zu können, die dieser Entwicklung angemessen begegnen. Dafür starten wir als DBJR und seine Mitgliedsverbände einen Prozess, der unsere Analysen verbinden und Praktiken qualifizieren soll.
Wir sehen die Wechselwirkungen von Wirtschaftskrisen, dem schwindenden Vertrauen in die Erzählung von “Aufstieg durch Leistung”, antidemokratischen Strömungen und sozialer Ungleichheit. Diese Faktoren formen die Lebenswelt junger Menschen. Diese komplexe Situation verlangt nach differenzierten Lösungsansätzen.
Daher prüfen wir, wie wir Schutzräume sichern und zugleich konfliktfähige Auseinandersetzung ermöglichen; wie wir mit Jugendlichen, die empfänglich für rechtspopulistische und rechtsextreme Ideologien sind, distanziert [4] arbeiten können - und dies ohne unsere Grundsätze zu relativieren; wie wir Raumungleichheiten politisch begleiten, bei Möglichkeit ausgleichen können und wie wir verhindern, dass „Brandmauer“-Rhetorik inhaltlich nach rechts kippt..
Jetzt müssen wir beginnen, uns tiefergehend damit auseinanderzusetzen
Deshalb fordern Wir:
Nach Zeile 57 einfügen:
[1] https://www.dbjr.de/artikel/u18-bundestagswahl-2025-endgueltiges-wahlergebnis
[2] SGB VIII §12
[3] SGB VIII §11
[4] Distanzierungsarbeit ist die beziehungs- und reflexionsorientierte Intervention zwischen Prävention und Ausstieg. Ziel ist, bei rechtsextrem einstiegsgefährdeten Jugendlichen Distanzierungsmotivation und gewaltablehnende Haltungen aufzubauen und Einstiege in verfestigte Szenen zu verhindern. Wir empfehlen https://www.distanz.info
